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Gartley-Muster: Varianten, Regeln und Handelssetup

Das Gartley-Muster ist ein harmonisches Chartmuster mit fünf Punkten, X, A, B, C und D, deren Fibonacci-Verhältnisse eine potenzielle Umkehrzone (PRZ) am Punkt D markieren. Bei einem gültigen Gartley-Muster liegt Punkt B am 61,8-%-Retracement der XA-Strecke und Punkt D am 78,6-%-Retracement der XA-Strecke. Trader beobachten die PRZ auf eine Kursumkehr und planen anschließend den Einstieg, den Stop-Loss und die Gewinnziele.

Das Wichtigste im Überblick

  • Das Gartley-Muster ist ein harmonisches Muster mit fünf Punkten, das mithilfe von Fibonacci-Verhältnissen eine potenzielle Umkehrzone (PRZ) an Punkt D kennzeichnet.
  • Punkt B liegt bei 61,8 % der XA-Strecke. Erreicht Punkt B hingegen 78,6 %, liegt im Chart kein Gartley-Muster mehr vor.
  • Punkt D liegt bei 78,6 % der XA-Strecke, bleibt also innerhalb der XA-Strecke und geht niemals über Punkt X hinaus.
  • Ein bullisches Gartley-Muster bildet eine M-Form und endet oberhalb von Punkt X, während ein bärisches Gartley-Muster eine W-Form unterhalb von Punkt X bildet.
  • MetaTrader 4 (MT4) und MetaTrader 5 (MT5) bieten kein Gartley-Werkzeug. Trader ergänzen daher die Niveaus von 78,6 % und 88,6 % manuell im Fibonacci-Retracement-Werkzeug.
  • Trader steigen nach einer Bestätigungskerze an Punkt D ein, setzen den Stop-Loss knapp jenseits von Punkt X und nehmen Gewinne schrittweise mit.
  • Am ersten Gewinnziel kann der Gewinn geringer ausfallen als das Risiko, wenn der Stop-Loss jenseits von Punkt X liegt. Dadurch verschlechtert sich das Chance-Risiko-Verhältnis.
  • Das Gartley-Muster deutet lediglich darauf hin, wo der Kurs drehen könnte. Ein starker Trend kann sich über Punkt D und Punkt X hinaus fortsetzen.

Was ist das Gartley-Muster?

Das Gartley-Muster ist ein harmonisches Muster mit fünf Punkten, X, A, B, C und D. Diese sind durch vier Strecken verbunden, deren Fibonacci-Verhältnisse auf eine PRZ an Punkt D hindeuten. Harmonische Muster sind Chartmuster, bei denen jede Kursstrecke anhand von Fibonacci-Verhältnissen vermessen wird, um mögliche Trendumkehrpunkte zu finden. Zwei Verhältnisse definieren das Gartley-Muster. Punkt B liegt am 61,8-%-Fibonacci-Retracement der XA-Strecke und Punkt D am 78,6-%-Fibonacci-Retracement der XA-Strecke. Punkt D bleibt somit innerhalb der XA-Strecke. Ein Fibonacci-Retracement misst, wie weit der Kurs eine Strecke zurückläuft, ausgedrückt als Prozentsatz dieser Strecke.

Das Gartley-Muster ist sowohl ein Umkehrmuster als auch ein Fortsetzungsmuster. An Punkt D kann die CD-Strecke enden und der Kurs wieder in Richtung der XA-Strecke drehen, sodass sich der XA-Trend fortsetzen kann. Das Gartley-Muster tritt bei Devisen, Aktien, Indizes und Rohstoffen auf, da die Fibonacci-Verhältnisse lediglich die Streckenlängen im Chart messen.

Die Zahl, die Trader häufig neben dem Namen sehen, verweist auf die Stelle, an der H. M. Gartley das Gartley-Muster erstmals beschrieb.

Warum heißt es Gartley 222?

Das Gartley-Muster wird als Gartley 222 bezeichnet, weil H. M. Gartley es auf Seite 222 seines 1935 erschienenen Buches Profits in the Stock Market beschrieb. Gartleys Buch enthielt keine exakten Fibonacci-Verhältnisse. Larry Pesavento brachte das Gartley-Muster erstmals mit Fibonacci-Verhältnissen in Verbindung. Scott Carney legte später in seinem Buch The Harmonic Trader die heute verwendeten exakten Verhältnisse fest: Punkt B bei 61,8 % und Punkt D bei 78,6 % der XA-Strecke. TMGM verwendet in diesem Leitfaden durchgehend Carneys Verhältnisse. Gartley 222 und Gartley-Muster bezeichnen dasselbe.

Aufbau des Gartley-Musters und Fibonacci-Verhältnisse

Bei einem gültigen Gartley-Muster liegt Punkt B am 61,8-%-Fibonacci-Retracement der XA-Strecke und Punkt D am 78,6-%-Fibonacci-Retracement der XA-Strecke. Punkt C korrigiert 38,2 % bis 88,6 % der AB-Strecke, und die CD-Strecke entspricht einer Fibonacci-Extension von 127 % oder 161,8 % der BC-Strecke. Eine Fibonacci-Extension misst die Länge einer neuen Strecke im Verhältnis zur vorherigen Strecke.

Punkt oder StreckeBeschreibungFibonacci-Verhältnis
XA-StreckeDie erste und größte BewegungLegt den Maßstab für alle anderen Verhältnisse fest
Punkt B (AB-Strecke)Korrektur ausgehend von A61,8-%-Retracement von XA
Punkt C (BC-Strecke)Bewegung zurück in Richtung A38,2-%- bis 88,6-%-Retracement von AB
CD-StreckeLetzte Bewegung bis Punkt D127-%- oder 161,8-%-Extension von BC und annähernd so lang wie AB
Punkt DEnde des Musters und Lage der PRZ78,6-%-Retracement von XA, innerhalb der XA-Strecke

Punkt B bei 61,8 % der XA-Strecke ist das entscheidende Verhältnis des Gartley-Musters. Erreicht Punkt B 78,6 % der XA-Strecke, zeigt der Chart kein Gartley-Muster mehr, denn ein Punkt B bei 78,6 % gehört zum Butterfly-Muster.

Jedes Gartley-Muster enthält in seinen letzten drei Strecken ein ABCD-Muster, wobei die CD-Strecke annähernd so lang sein sollte wie die AB-Strecke (AB=CD). Bei 78,6 % bleibt Punkt D innerhalb der XA-Strecke. Das unterscheidet das Gartley-Muster vom Butterfly-Muster und vom Crab-Muster, bei denen Punkt D über Punkt X hinausgeht.

Unabhängig davon, ob die XA-Strecke steigt oder fällt, gelten dieselben Verhältnisse. Daher gibt es eine bullische und eine bärische Variante des Gartley-Musters.

Bullisches und bärisches Gartley-Muster im Vergleich

Der Unterschied zwischen einem bullischen und einem bärischen Gartley-Muster liegt in der Richtung der XA-Strecke, denn die Fibonacci-Verhältnisse sind identisch. Bei einem bullischen Gartley-Muster erwarten Trader einen Kursanstieg ab Punkt D. Bei einem bärischen Gartley-Muster erwarten sie einen Kursrückgang ab Punkt D.

Bullisches Gartley-Muster

Ein bullisches Gartley-Muster endet an Punkt D oberhalb von Punkt X. Dort erwarten Trader einen Kursanstieg.

  • Punkt X ist ein Tief.
  • Die XA-Strecke steigt von Punkt X bis Punkt A.
  • Die AB-Strecke fällt bis Punkt B bei 61,8 % der XA-Strecke.
  • Die BC-Strecke steigt bis Punkt C, der zwischen 38,2 % und 88,6 % der AB-Strecke liegt.
  • Die CD-Strecke fällt bis Punkt D bei 78,6 % der XA-Strecke, weiterhin oberhalb von Punkt X.

Bullish Gartley pattern chart in an M shape with B at 61.8% of XA, C at 38.2% to 88.6% of AB and D at 78.6% of XA in the PRZ

Da die Strecken aufwärts, abwärts, aufwärts und abwärts verlaufen, bildet das bullische Gartley-Muster im Chart ein M. Einige Quellen bezeichnen die bullische Variante als W. Prüfen Sie deshalb die Richtung jeder Strecke, bevor Sie sich auf den Buchstaben verlassen.

Bärisches Gartley-Muster

Ein bärisches Gartley-Muster endet an Punkt D unterhalb von Punkt X. Dort erwarten Trader einen Kursrückgang.

  • Punkt X ist ein Hoch.
  • Die XA-Strecke fällt von Punkt X bis Punkt A.
  • Die AB-Strecke steigt bis Punkt B bei 61,8 % der XA-Strecke.
  • Die BC-Strecke fällt bis Punkt C, der zwischen 38,2 % und 88,6 % der AB-Strecke liegt.
  • Die CD-Strecke steigt bis Punkt D bei 78,6 % der XA-Strecke, weiterhin unterhalb von Punkt X.

Bearish Gartley pattern chart in a W shape with B at 61.8% of XA, C at 38.2% to 88.6% of AB and D at 78.6% of XA in the PRZ

Da die Strecken abwärts, aufwärts, abwärts und aufwärts verlaufen, bildet das bärische Gartley-Muster im Chart ein W. Im nächsten Schritt geht es darum, eine der beiden Varianten in einem realen Chart zu finden.

So erkennen Sie ein Gartley-Muster im Chart

Sie erkennen ein Gartley-Muster, indem Sie jede Strecke anhand ihres Fibonacci-Verhältnisses prüfen, beginnend mit der XA-Strecke.

  1. Suchen Sie eine eindeutige XA-Strecke, also eine starke Aufwärts- oder Abwärtsbewegung.
  2. Prüfen Sie, ob Punkt B nahe am 61,8-%-Fibonacci-Retracement der XA-Strecke liegt.
  3. Prüfen Sie, ob Punkt C zwischen 38,2 % und 88,6 % der AB-Strecke liegt.
  4. Projizieren Sie Punkt D auf das 78,6-%-Fibonacci-Retracement der XA-Strecke und prüfen Sie, ob die CD-Strecke etwa 127 % oder 161,8 % der BC-Strecke entspricht.
  5. Markieren Sie die PRZ um Punkt D, wo die Verhältnisse zusammentreffen.

In realen Charts werden Fibonacci-Verhältnisse selten exakt getroffen. Punkt B sollte jedoch nahe bei 61,8 % und Punkt D nahe bei 78,6 % liegen. Einige Trader prüfen auch die zeitliche Dimension: Sie achten darauf, dass die XA-Strecke und der Verlauf von Punkt A bis Punkt D eine ähnliche Anzahl von Kerzen umfassen.

Um das Gartley-Muster in MetaTrader 4 oder MetaTrader 5 zu finden, sind zunächst einige kleine Einstellungen erforderlich.

So zeichnen Sie ein Gartley-Muster in MT4 und MT5 ein

MetaTrader 4 (MT4) und MetaTrader 5 (MT5) bieten kein Gartley-Werkzeug. Sie zeichnen ein Gartley-Muster daher mit den Werkzeugen Fibonacci-Retracement, Fibonacci-Expansion und Trendlinie ein. Auf keiner der beiden Plattformen sind 78,6 % oder 88,6 % in den standardmäßigen Fibonacci-Retracement-Niveaus oder 127,2 % im Fibonacci-Expansion-Werkzeug enthalten. Fügen Sie diese Niveaus daher einmalig hinzu.

  1. Öffnen Sie in MT4 „Einfügen“, dann „Fibonacci“ und anschließend „Retracement“. Öffnen Sie in MT5 „Einfügen“, dann „Objekte“, „Fibonacci“ und anschließend „Fibonacci-Retracement“.
  2. Zeichnen Sie das Fibonacci-Retracement von Punkt X bis Punkt A ein.
  3. Öffnen Sie die Eigenschaften des Fibonacci-Retracements und fügen Sie über die Schaltfläche „Hinzufügen“ die Werte 0,786 und 0,886 hinzu, in MT4 auf der Registerkarte „Fibo-Ebenen“ bzw. in MT5 auf der Registerkarte „Ebenen“.
  4. Prüfen Sie, ob Punkt B nahe bei 61,8 % liegt, und markieren Sie Punkt D bei 78,6 %.
  5. Zeichnen Sie ein zweites Fibonacci-Retracement auf der AB-Strecke ein, um Punkt C zu prüfen.
  6. Verwenden Sie das Fibonacci-Expansion-Werkzeug von Punkt B bis Punkt C, fügen Sie den Wert 1,272 zu dessen Niveaus hinzu und prüfen Sie, wo die CD-Strecke endet.
  7. Verbinden Sie die Punkte X, A, B, C und D mit dem Trendlinien-Werkzeug.

Fibonacci retracement drawn from X to A on a Gartley pattern, marking point B at the 61.8% level and point D at the 78.6% level

Sobald das Gartley-Muster eingezeichnet und Punkt D markiert ist, folgt die Planung des Trades.

So handeln Sie das Gartley-Muster

Beim Handel des Gartley-Musters gilt es, drei Dinge zu planen, bevor der Kurs Punkt D erreicht: den Einstieg, den Stop-Loss und die Gewinnziele. Kein Gartley-Muster garantiert eine Kursumkehr. Deshalb steht der Stop-Loss bei der Planung an erster Stelle.

Schritt 1: So finden Sie den Einstiegspunkt beim Gartley-Muster

Der Einstieg in einen Trade auf Basis des Gartley-Musters erfolgt an oder nahe Punkt D, nachdem eine Bestätigungskerze eine Kurswende angezeigt hat. Eine Bestätigungskerze schließt in der neuen Richtung, beispielsweise eine bullische Engulfing-Kerze an Punkt D in einem bullischen Gartley-Muster. Wer vor Punkt D einsteigt, spekuliert darauf, wo die CD-Strecke enden wird. Einige Trader achten zur zusätzlichen Bestätigung auch auf eine Divergenz im Relative Strength Index (RSI) oder auf ein Unterstützungs- oder Widerstandsniveau an Punkt D.

Gehen Sie beim Einstieg in einen Trade auf Basis des Gartley-Musters in diesen vier Schritten vor.

  1. Warten Sie, bis der Kurs die PRZ um Punkt D erreicht.
  2. Prüfen Sie, ob Punkt D nahe bei 78,6 % der XA-Strecke liegt.
  3. Warten Sie auf eine Bestätigungskerze, die in der neuen Richtung schließt.
  4. Steigen Sie an oder nahe Punkt D ein, sobald die Bestätigungskerze geschlossen hat.

Jeder Einstieg benötigt einen Stop-Loss, und das Gartley-Muster liefert dafür eine klar definierte Position.

Schritt 2: So setzen Sie den Stop-Loss beim Gartley-Muster

Die meisten Trader setzen den Stop-Loss bei einem Trade auf Basis des Gartley-Musters knapp jenseits von Punkt X: bei einem bullischen Gartley-Muster unterhalb und bei einem bärischen Gartley-Muster oberhalb von Punkt X. Bewegt sich der Kurs über Punkt X hinaus, wird das Gartley-Muster ungültig. Ein dort platzierter Stop-Loss beendet somit den Trade, sobald das Muster nicht mehr gültig ist. Ein engerer Stop-Loss knapp jenseits von Punkt D verringert das Risiko, wird aber häufiger ausgelöst. Wählen Sie die Positionsgröße jedes Trades so, dass ein durch den Stop-Loss beendeter Trade nur einen kleinen Teil Ihres Kontoguthabens kostet.

Gehen Sie beim Setzen des Stop-Loss in diesen vier Schritten vor.

  1. Suchen Sie Punkt X im Chart.
  2. Setzen Sie den Stop-Loss bei einem bullischen Gartley-Muster knapp unterhalb von Punkt X und bei einem bärischen Gartley-Muster knapp oberhalb von Punkt X.
  3. Messen Sie den Abstand zwischen Einstieg und Stop-Loss. Dieser entspricht dem Kursrisiko des Trades.
  4. Wählen Sie die Positionsgröße so, dass ein durch den Stop-Loss beendeter Trade nur einen kleinen Teil Ihres Kontoguthabens kostet.

Nachdem das Risiko festgelegt ist, entscheiden Sie im nächsten Schritt, wo Sie Gewinne mitnehmen.

Schritt 3: So legen Sie Gewinnziele beim Gartley-Muster fest

Die üblichen Gewinnziele für einen Trade auf Basis des Gartley-Musters sind die Fibonacci-Retracements von 38,2 % und 61,8 % der CD-Strecke, anschließend Punkt C und schließlich Punkt A.

  1. Ziel 1 ist das 38,2-%-Fibonacci-Retracement der CD-Strecke.
  2. Ziel 2 ist das 61,8-%-Fibonacci-Retracement der CD-Strecke.
  3. Ziel 3 ist Punkt C.
  4. Ziel 4 ist Punkt A.

Viele Trader schließen an jedem Gewinnziel einen Teil ihrer Position. Ziel 1 liegt häufig nahe bei Punkt D. Das ist für das Chance-Risiko-Verhältnis relevant, also den Vergleich zwischen dem möglichen Gewinn und dem möglichen Verlust eines Trades. Ein Rechenbeispiel führt Einstieg, Stop-Loss und Gewinnziele zusammen.

Beispiel für den Handel des Gartley-Musters

Ein bullisches Gartley-Muster mit Punkt X bei 100 und Punkt A bei 200 zeigt alle fünf Punkte, den Stop-Loss und vier Gewinnziele in einem Handelsplan. Die Kurse dienen nur der Veranschaulichung. Das Beispiel bezieht sich weder auf ein reales Instrument noch auf ein tatsächliches Handelsergebnis.

ElementKursFestlegung
Punkt X100Beginn des Musters
Punkt A200Hoch der XA-Strecke (XA = 100)
Punkt B138,261,8-%-Retracement von XA
Punkt C176,461,8-%-Retracement von AB (innerhalb der Spanne von 38,2 % bis 88,6 %)
Punkt D (Einstieg)121,478,6-%-Retracement von XA. CD ist etwa 1,44-mal so lang wie BC, liegt zwischen den Niveaus von 127 % und 161,8 % und ist annähernd so lang wie AB
Stop-Loss99Knapp unterhalb von X. Risiko: 22,4
Ziel 1142,438,2 % von CD. Gewinnpotenzial: 21,0, etwas geringer als das Risiko
Ziel 2155,461,8 % von CD. Gewinnpotenzial: 34,0
Ziel 3176,4Punkt C. Gewinnpotenzial: 55,0
Ziel 4200Punkt A. Gewinnpotenzial: 78,6

Bullish Gartley trade plan with X 100, A 200, entry at D 121.4, stop loss at 99 and four profit targets from 142.4 up to 200

Das Risiko des Trades beträgt 22,4, also den Abstand vom Einstieg bei 121,4 bis zum Stop-Loss bei 99. Ziel 1 bei 142,4 liegt nur 21,0 vom Einstieg entfernt. Der dort erzielbare Gewinn ist somit etwas geringer als das Risiko. Ziel 2 bietet einen Gewinn von 34,0, Punkt C von 55,0 und Punkt A von 78,6. Erst ab Ziel 2 übersteigt der mögliche Gewinn daher das Risiko. Ob sich das Chance-Risiko-Verhältnis lohnt, ergibt sich aus dem Handelsplan und nicht allein daraus, dass ein Gartley-Muster erkannt wurde.

Das Gartley-Muster ist eines von mehreren harmonischen Mustern. Anhand von Punkt B und Punkt D lassen sie sich am schnellsten unterscheiden.

Gartley-Muster im Vergleich zu anderen harmonischen Mustern

Das Gartley-Muster ist das einzige dieser harmonischen Muster, bei dem Punkt B bei 61,8 % und Punkt D bei 78,6 % der XA-Strecke liegt, wobei Punkt D innerhalb der XA-Strecke bleibt.

MusterPunkt B (bezogen auf XA)Punkt DLage von D
Gartley61,8 %78,6-%-Retracement von XAInnerhalb der XA-Strecke
Butterfly78,6 %127-%-Extension von XAJenseits von X
Bat38,2 % oder 50 %, stets unter 61,8 %88,6-%-Retracement von XAInnerhalb der XA-Strecke
Crab38,2 % bis 61,8 %161,8-%-Extension von XAJenseits von X
ABCDKein Punkt XCD etwa gleich lang wie ABNicht anwendbar, da kein Punkt X vorhanden ist

Das Butterfly-Muster ähnelt dem Gartley-Muster am stärksten. Beim Butterfly-Muster erreicht Punkt B jedoch 78,6 %, und Punkt D geht über Punkt X hinaus. Das ABCD-Muster hat keinen Punkt X. Jedes Gartley-Muster enthält in seinen letzten drei Strecken ein ABCD-Muster.

Wer die Besonderheiten des Gartley-Musters kennt, kann seine Stärken und Schwächen besser abwägen.

Vorteile und Grenzen des Gartley-Musters

Das Gartley-Muster bietet klare Regeln. Gültige Gartley-Muster sind jedoch selten, und der mögliche Gewinn ist im Verhältnis zum Risiko oft gering.

Das Gartley-Muster hat vier wesentliche Vorteile.

  • Klare Regeln für jede Strecke ermöglichen es Tradern, ein Gartley-Muster anhand festgelegter Fibonacci-Verhältnisse zu prüfen.
  • Eine definierte Einstiegszone an der PRZ zeigt Tradern, wo sie auf eine Bestätigungskerze achten sollten.
  • Stop-Loss und Gewinnziele lassen sich anhand der Punkte X, C und A sowie der CD-Strecke im Voraus planen.
  • Bei Devisen, Aktien, Indizes und Rohstoffen treten Gartley-Muster auf, da die Verhältnisse lediglich Streckenlängen messen.

Das Gartley-Muster hat jedoch auch klare Grenzen.

  • Gültige Gartley-Muster sind selten, da alle vier Strecken gleichzeitig ihren Fibonacci-Verhältnissen entsprechen müssen.
  • Ein Gartley-Muster ist schwer zu erkennen, wenn sich der Chart noch entwickelt, denn viele annähernd passende Formationen erfüllen eines der Verhältnisse nicht.
  • Die Wahl von Punkt X verschiebt die PRZ. Deshalb können zwei Trader Punkt D im selben Chart auf unterschiedlichen Kursniveaus markieren.
  • Am ersten Gewinnziel kann der Gewinn geringer ausfallen als das Risiko, wenn der Stop-Loss jenseits von Punkt X liegt, wie das Rechenbeispiel zeigt.
  • Ein starker Trend kann sich über Punkt D hinaus fortsetzen und auch über Punkt X hinauslaufen. Dadurch wird das Gartley-Muster ungültig und der Stop-Loss ausgelöst.
  • Kein Gartley-Muster garantiert eine Kursumkehr. Daher kann jeder Trade auf Basis eines Gartley-Musters zu Verlusten führen.

Häufig gestellte Fragen

Ist das Gartley-Muster ein Fibonacci-Muster?

Ja, das Gartley-Muster ist ein Fibonacci-Muster, da jede Strecke anhand eines Fibonacci-Verhältnisses geprüft wird. Punkt B liegt bei 61,8 % von XA, Punkt C bei 38,2 % bis 88,6 % von AB, die CD-Strecke bei 127 % oder 161,8 % von BC und Punkt D bei 78,6 % von XA. Larry Pesavento und Scott Carney ergänzten diese Verhältnisse nach der Veröffentlichung von Gartleys Buch im Jahr 1935.

Ist das Gartley-Muster ein Umkehr- oder ein Fortsetzungsmuster?

Das Gartley-Muster ist sowohl ein Umkehrmuster als auch ein Fortsetzungsmuster. Der Kurs kann an Punkt D drehen, wo die CD-Strecke endet. Diese Umkehr führt wieder in Richtung der XA-Strecke. Das Gartley-Muster kennzeichnet somit eine Umkehr der CD-Strecke und eine mögliche Fortsetzung des XA-Trends.

Welches harmonische Muster ist das beste?

Kein einzelnes harmonisches Muster ist das beste, da sich die Lage von Punkt D und des Stop-Loss bei jedem Muster unterscheidet. Beim Gartley-Muster bleibt Punkt D innerhalb der XA-Strecke. Punkt X liefert dadurch ein klares Stop-Loss-Niveau. Beim Butterfly-Muster und beim Crab-Muster liegt Punkt D jenseits von Punkt X. Trader legen den Stop-Loss deshalb stattdessen ausgehend von Punkt D fest.

Funktioniert das Gartley-Muster in jedem Zeitrahmen?

Ja, das Gartley-Muster funktioniert in jedem Zeitrahmen und an jedem Markt, von kurzfristigen Intraday-Charts bis hin zu Tages- und Wochencharts. In kleineren Zeitrahmen treten mehr Gartley-Muster auf, allerdings auch mehr Fehlsignale, da kleine Kursbewegungen die Verhältnisse zufällig erfüllen können. Größere Zeitrahmen zeigen weniger Gartley-Muster, dafür aber mit klarer erkennbaren Strecken.

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