Australischer Dollar gibt gegenüber japanischem Yen nach: RBA erhöht Leitzins zum fünften Mal in diesem Jahr auf 4,85 %

  • AUD/JPY gibt im asiatischen Handel am Dienstag auf rund 110,20 nach.
  • Die RBA erhöht den Leitzins auf ihrer November-Sitzung am Dienstag um 25 Basispunkte auf 4,85 %.
  • Händler bleiben angesichts möglicher Devisenmarktinterventionen der japanischen Behörden in höchster Alarmbereitschaft.

Das Währungspaar AUD/JPY gibt während der asiatischen Handelszeiten am Dienstag leicht auf rund 110,20 nach. Nach dem Zinsentscheid der Reserve Bank of Australia (RBA) gerät der australische Dollar (AUD) gegenüber dem japanischen Yen (JPY) etwas unter Verkaufsdruck.

Wie allgemein erwartet, beschloss die RBA zum Abschluss ihrer geldpolitischen Sitzung im November, ihren Leitzins (Official Cash Rate, OCR) um 25 Basispunkte von 4,60 % auf 4,85 % anzuheben. Mit dieser fünften Zinserhöhung der RBA im Jahr 2026 erreicht der Leitzins den höchsten Stand seit 18 Jahren.

TMGM Analysis: Financial Market News, Economic Calendar & Market Insights

Sechs Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses stimmten für die Zinserhöhung, während drei den OCR lieber unverändert bei 4,60 % belassen hätten. In der Erklärung betonte der Ausschuss, dass die Inflation weiterhin erhöht und breit angelegt sei und das Risiko einer Verfestigung höherer Inflationserwartungen zunehme.

Weitere Hinweise erwarten Händler von der Pressekonferenz der RBA-Gouverneurin Michele Bullock um 04:30 GMT. Äußerungen Bullocks, die auf eine restriktivere Geldpolitik hindeuten, könnten den australischen Dollar kurzfristig gegenüber dem JPY stützen.

Eine Interventionswarnung der japanischen Behörden könnte das Aufwärtspotenzial des Währungspaares begrenzen. Japans Finanzministerin Satsuki Katayama erklärte am Montag, es sei entscheidend, stabile Devisenmärkte zu gewährleisten, und die Regierung müsse chaotische Schwankungen verhindern.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Katayama erklärt, die Regierung sei zu entschlossenen Maßnahmen am Devisenmarkt bereit. Damit signalisierte sie, dass Tokio angesichts der anhaltenden Schwäche des JPY weiterhin wachsam bleibt.

Die Bank of Japan (BoJ) beließ den kurzfristigen Zinssatz auf ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung in der vergangenen Woche unverändert bei 1,25 %. Die Entscheidung entsprach den Markterwartungen.

Weitere RBA-Zinserhöhung erwartet: Inflationsüberraschung steigert Renditeattraktivität des australischen Dollars

Die Strategen von Brown Brothers Harriman betonen, dass der am Dienstag anstehende „RBA-Zinsentscheid samt geldpolitischem Bericht“ voraussichtlich eine „zweite Zinserhöhung in Folge um 25 Basispunkte auf 4,85 % bringen wird, da sich die Inflation deutlich ungünstiger entwickelt hat, als die Notenbank im August eingeschätzt hatte“. Sie weisen darauf hin, dass „Leitzins-Futures eine Wahrscheinlichkeit von 83 % für eine Zinserhöhung einpreisen“, und ergänzen, dass „Signale für eine restriktivere Geldpolitik den Renditevorsprung des AUD vergrößern würden“. Dies würde dem australischen Dollar zusätzlichen Rückhalt geben, da der Kurs der RBA von dem anderer Notenbanken abweicht.

Chart Analysis AUD/JPY


Technische Analyse: AUD/JPY bleibt unter dem 100-Tage-SMA bärisch ausgerichtet

Im Tageschart bleibt AUD/JPY kurzfristig bärisch ausgerichtet, da der Kassakurs unter dem mittleren Bollinger-Band und dem einfachen gleitenden 100-Tage-Durchschnitt (SMA) liegt. Das obere Bollinger-Band begrenzt das Währungspaar ebenfalls nach oben und unterstreicht damit die Abwärtstendenz. Der Relative-Stärke-Index (14) von rund 45 deutet unterdessen eher auf ein verhaltenes Momentum als auf überverkaufte Bedingungen hin, sodass Spielraum für weitere Kursverluste besteht.

Auf der Oberseite liegt der erste Widerstand am mittleren Bollinger-Band bei 110,45, gefolgt vom oberen Bollinger-Band nahe 111,40. Der 100-Tage-SMA bei 111,90 stellt eine weitere Hürde für mögliche Erholungsversuche dar. Auf der Unterseite findet sich die nächste wichtige Unterstützung am unteren Bollinger-Band um 109,50, wo der Verkaufsdruck vorübergehend nachlassen könnte. Ein nachhaltiger Durchbruch unter diese Unterstützung dürfte jedoch auf Tagesbasis den Weg zu tieferen Kursniveaus ebnen.

(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)

Häufig gestellte Fragen zur RBA

Die Reserve Bank of Australia (RBA) legt die Zinssätze fest und steuert die Geldpolitik Australiens. Die Entscheidungen trifft ein Zentralbankgremium auf elf Sitzungen pro Jahr sowie bei Bedarf auf kurzfristig einberufenen Krisensitzungen. Der vorrangige Auftrag der RBA ist die Gewährleistung von Preisstabilität, was einer Inflationsrate von 2–3 % entspricht. Darüber hinaus soll sie „… zur Stabilität der Währung, zur Vollbeschäftigung sowie zum wirtschaftlichen Wohlstand und Wohlergehen der australischen Bevölkerung beitragen“. Ihr wichtigstes Instrument hierfür sind Zinserhöhungen oder Zinssenkungen. Relativ hohe Zinsen stärken den australischen Dollar (AUD) und umgekehrt. Weitere Instrumente der RBA sind die quantitative Lockerung und die quantitative Straffung.

Traditionell galt Inflation als negativer Faktor für Währungen, da sie den Geldwert grundsätzlich mindert. Seit der Lockerung grenzüberschreitender Kapitalverkehrskontrollen ist in der heutigen Zeit jedoch eher das Gegenteil der Fall. Eine moderat höhere Inflation veranlasst Zentralbanken inzwischen tendenziell zu Zinserhöhungen. Dies zieht wiederum mehr Kapital von internationalen Anlegern an, die nach einer rentablen Anlagemöglichkeit suchen. Dadurch steigt die Nachfrage nach der Landeswährung, im Falle Australiens also nach dem australischen Dollar.

Makroökonomische Daten geben Aufschluss über den Zustand einer Volkswirtschaft und können den Wert ihrer Währung beeinflussen. Anleger investieren ihr Kapital bevorzugt in stabile, wachsende Volkswirtschaften statt in unsichere, schrumpfende. Höhere Kapitalzuflüsse steigern die Gesamtnachfrage nach der heimischen Währung und deren Wert. Klassische Indikatoren wie das BIP, Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, Beschäftigungsdaten und Umfragen zur Verbraucherstimmung können den AUD beeinflussen. Eine starke Konjunktur kann die Reserve Bank of Australia zu Zinserhöhungen veranlassen, was den AUD ebenfalls stützt.

Die quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) ist ein Instrument, das in extremen Situationen eingesetzt wird, wenn Zinssenkungen nicht ausreichen, um die Kreditvergabe in der Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Dabei schafft die Reserve Bank of Australia (RBA) australische Dollar (AUD), um Finanzinstituten Vermögenswerte abzukaufen, in der Regel Staats- oder Unternehmensanleihen. Damit stellt sie ihnen dringend benötigte Liquidität zur Verfügung. QE führt üblicherweise zu einem schwächeren AUD.

Die quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) ist das Gegenteil der quantitativen Lockerung. Sie wird im Anschluss an QE eingesetzt, wenn eine wirtschaftliche Erholung im Gange ist und die Inflation zu steigen beginnt. Während die Reserve Bank of Australia (RBA) bei QE Staats- und Unternehmensanleihen von Finanzinstituten kauft, um ihnen Liquidität zur Verfügung zu stellen, stellt sie bei QT weitere Wertpapierkäufe ein. Zudem legt sie die Tilgungsbeträge aus fällig werdenden Anleihen in ihrem Bestand nicht mehr neu an. Dies dürfte sich positiv beziehungsweise bullisch auf den australischen Dollar auswirken.