
EUR/GBP gibt am Dienstag leicht nach, nachdem das Währungspaar am Vortag moderate Gewinne verzeichnet hatte. Ein deutlicher Rückgang der Ölpreise hatte der energieabhängigen Eurozone etwas Entlastung verschafft und den Euro (EUR) gestützt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notiert das Währungspaar bei rund 0,8336 und damit 0,11 % niedriger als am Vortag.

Die Ölpreise ziehen wieder an, nachdem das Wall Street Journal (WSJ) berichtet hat, dass Washington begrenzte Angriffe auf die iranische Insel Qeschm durchgeführt habe. West Texas Intermediate (WTI) notiert mit einem Plus von 2,45 % über 97 US-Dollar, nachdem der Preis am Montag fast 7 % verloren hatte. Der Rückgang folgte auf Berichte, wonach der iranische Präsident erklärt habe, der Oberste Führer habe der Regierung mehr Befugnisse bei den Verhandlungen eingeräumt.
Der Euro verharrt nahe einem zuletzt im April 2025 verzeichneten Niveau, da erhöhte Haushaltsrisiken in Frankreich das britische Pfund (GBP) gegenüber der Gemeinschaftswährung begünstigen. Angesichts eines dünn besetzten Wirtschaftskalenders am Dienstag konzentrieren sich Händler auf Nachrichten aus dem Nahen Osten und die Entwicklung der Ölpreise.
Am Mittwoch richtet sich die Aufmerksamkeit auf die endgültigen Einkaufsmanagerindizes (PMI) für den Dienstleistungssektor und die Gesamtwirtschaft der Eurozone und des Vereinigten Königreichs für Oktober sowie auf die vorläufigen Inflationszahlen der Eurozone.
Diese Veröffentlichungen gehen der geldpolitischen Entscheidung der Bank of England (BoE) am Donnerstag voraus. Allgemein wird erwartet, dass die BoE ihre erste Zinserhöhung seit 2023 vornimmt. Die Währungshüter wollen verhindern, dass der Energieschock im Nahen Osten einen breiter angelegten Preisdruck auslöst.
Die Erwartungen einer Zinserhöhung der BoE stützen das britische Pfund auch gegenüber dem Euro. Eine Anhebung auf 4 % würde den Abstand zum Einlagensatz der EZB von 2,50 % von 125 auf 150 Basispunkte vergrößern.
Die Analysten von ING stellen fest, dass sich das Pfund „recht gut hält“. Gestützt werde es durch die Einschätzung des Marktes, dass „die hohen Energiepreise der Bank of England keine andere Wahl lassen, als die Zinsen am Donnerstag anzuheben“. Sie ergänzen: „Auch überraschend positive Konjunkturdaten, eine britische Haushaltspolitik, die sich offenbar in die richtige Richtung bewegt, und engere Beziehungen zur EU scheinen dem Pfund zu helfen.“ Auch die Positionierung gilt als unterstützender Faktor. ING betont: „Spekulanten halten nach wie vor recht große Short-Positionen im Pfund, was darauf hindeutet, dass diese Phase der relativen Stärke des Pfunds anhalten kann.“
Vor diesem Hintergrund weist ING darauf hin, dass „EUR/GBP in sehr kurzer Zeit stark gefallen ist – um fast 4 % in etwas mehr als einem Monat“, und kommt zu dem Schluss, dass „wohl eine gewisse Konsolidierung ansteht“. Dennoch argumentieren die Analysten, dass es angesichts „hoher Energiepreise, die die Erwartungen höherer britischer Leitzinsen voraussichtlich bis Anfang nächsten Jahres aufrechterhalten werden, und ungelöster französischer Haushaltsprobleme zu früh ist, bei EUR/GBP einen markanten Tiefpunkt zu erwarten“.
Die Bank of England (BoE) legt die Geldpolitik für das Vereinigte Königreich fest. Ihr vorrangiges Ziel ist „Preisstabilität“, also eine konstante Inflationsrate von 2 %. Um dieses Ziel zu erreichen, passt sie die Leitzinsen an. Die BoE bestimmt den Zinssatz, zu dem sie Geschäftsbanken Geld leiht und zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Damit legt sie das allgemeine Zinsniveau in der Wirtschaft fest. Dies beeinflusst auch den Wert des britischen Pfunds (GBP).
Liegt die Inflation über dem Zielwert der Bank of England, reagiert diese mit Zinserhöhungen. Dadurch werden Kredite für Privatpersonen und Unternehmen teurer. Das wirkt sich positiv auf das britische Pfund aus, da höhere Zinsen das Vereinigte Königreich für internationale Anleger als Standort für ihre Geldanlage attraktiver machen. Fällt die Inflation unter den Zielwert, deutet dies auf ein nachlassendes Wirtschaftswachstum hin. Die BoE wird dann Zinssenkungen in Betracht ziehen, um Kredite günstiger zu machen. Sie hofft damit, Unternehmen zur Kreditaufnahme für Investitionen in wachstumsfördernde Projekte zu bewegen. Für das britische Pfund ist dies negativ.
In extremen Situationen kann die Bank of England eine als quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) bezeichnete Maßnahme ergreifen. Dabei erhöht die BoE den Kreditfluss in einem ins Stocken geratenen Finanzsystem erheblich. QE ist das letzte Mittel, wenn Zinssenkungen nicht die erforderliche Wirkung erzielen. Im Rahmen von QE schöpft die BoE Geld, um Banken und anderen Finanzinstituten Vermögenswerte abzukaufen – in der Regel Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen mit AAA-Rating. QE führt üblicherweise zu einem schwächeren britischen Pfund.
Die quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) ist das Gegenteil von QE und wird eingesetzt, wenn die Wirtschaft an Stärke gewinnt und die Inflation zu steigen beginnt. Während die Bank of England (BoE) im Rahmen von QE Staats- und Unternehmensanleihen von Finanzinstituten kauft, um deren Kreditvergabe anzuregen, stellt sie bei QT weitere Anleihekäufe ein. Zudem legt sie die bei Fälligkeit zurückgezahlten Kapitalbeträge aus den bereits gehaltenen Anleihen nicht mehr an. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf das britische Pfund aus.