
Der US-Dollar (USD) hat am Montag den Großteil seiner vorherigen Verluste aufgeholt, bleibt jedoch in der Defensive. Anleger scheuen sich davor, vor den US-Zwischenwahlen umfangreiche Long-Positionen im US-Dollar zu halten, während wachsende Sorgen vor einer KI-Blase ein zusätzliches Risiko darstellen. Vor diesem Hintergrund notiert der US-Dollar-Index (DXY) zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei 101,66 und damit weiterhin nahe dem unteren Ende der Handelsspanne vom Oktober im Bereich von 100,40.
Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Konjunkturdaten untermauerten das Narrativ der wirtschaftlichen Sonderstellung der USA. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) beschleunigte sich im dritten Quartal deutlich, und die Inflation liegt weiterhin klar über dem Ziel der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Damit bleibt der Druck bestehen, die Zinsen weiter anzuheben. Der US-Dollar-Index erhält durch diese Zahlen jedoch keinen Auftrieb und zeigt seit zwei Wochen nur begrenztes Aufwärtspotenzial.

Die Analysten von MUFG/BTMU warnen, dass am Dienstag eine „schwere Niederlage der Republikaner die Stärke des US-Dollars dämpfen könnte“. Ein solches Ergebnis würde ihrer Ansicht nach „den Spielraum für weitere fiskalische Impulse begrenzen“ und könnte den Fokus des Marktes auf „weniger marktfreundliche Maßnahmen nach der derzeitigen Präsidentschaft“ lenken. Dies würde den Ausblick für den US-Dollar um eine weitere politische Unsicherheit ergänzen.
Ähnlich hebt ING die Positionierung und politische Risiken als zentrale kurzfristige Einflussfaktoren hervor und stellt fest: „Das Hauptrisiko für den Dollar besteht heute darin, dass vor den US-Zwischenwahlen am Dienstag vorsorglich ein Teil der Netto-Long-Positionen abgebaut wird.“
Die Bank weist darauf hin, dass „die Prognosemärkte die Wahrscheinlichkeit eines umfassenden Wahlsiegs der Demokraten bei rund 68 % sehen“. Dieses Szenario „könnte aus mehreren Gründen als leicht negativ für den US-Dollar angesehen werden: von einem höheren Risiko eines Regierungsstillstands und einer Blockade bei den Verhandlungen über die Schuldenobergrenze bis hin zu möglichen Belastungen für die ohnehin fragile Stimmung im KI-Bereich“. Vor diesem Hintergrund kommt ING zu dem Schluss: „Wir wären in den nächsten Tagen vorsichtig damit, auf weitere Kursgewinne des USD zu setzen.“
Die Experten von BBH richten ihren Blick hingegen auf die Aktienmärkte, wo der „Ausverkauf bei Technologieaktien den USD kurzfristig in der Defensive halten kann“. Zugleich urteilt BBH jedoch, dass „die starke US-Konjunktur und der zunehmende Preisdruck die restriktive Ausrichtung der Fed untermauern“. Damit dürften die „Zinsdifferenzen“ den „USD weiterhin stützen“, auch wenn sich die Stimmung kurzfristig eintrübt.
Die US-Zwischenwahlen sind die Wahlen auf Bundesebene, die in der Mitte der vierjährigen Amtszeit eines Präsidenten stattfinden. Gewählt werden alle 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses, etwa ein Drittel des Senats sowie in vielen Bundesstaaten Gouverneure und weitere Amtsträger auf bundesstaatlicher und kommunaler Ebene.
Der Wahltag ist Dienstag, der 3. November 2026. Nach Bundesrecht findet die Wahl am Dienstag nach dem ersten Montag im November statt. In vielen Bundesstaaten laufen die vorzeitige Stimmabgabe und die Briefwahl bereits.
Sie entscheiden darüber, welche Partei in den letzten beiden Jahren der Amtszeit von Präsident Donald Trump die jeweilige Kongresskammer kontrolliert. Die Mehrheitspartei bestimmt die Gesetzgebungsagenda, besetzt die Ausschussvorsitze und kontrolliert im Senat die Bestätigung von Richtern und hochrangigen Amtsträgern.
Nein. Der Präsident wird alle vier Jahre gewählt; die nächste Präsidentschaftswahl findet im November 2028 statt. Die Zwischenwahlen gelten häufig als Abstimmung über die Partei des amtierenden Präsidenten, die historisch betrachtet meist Sitze im Repräsentantenhaus verliert.
Die meisten Analysten erwarten beim US-Dollar eher eine moderate, kurzlebige Reaktion als einen dauerhaften Trend. Ein Kongress mit unterschiedlichen Parteimehrheiten in den beiden Kammern gilt weithin als Basisszenario und ist zum Teil bereits eingepreist. Die Renditen von US-Staatsanleihen könnten deutlicher auf die Ergebnisse reagieren. Wahlausgänge, die Erwartungen an fiskalische Impulse schüren, lassen tendenziell die Renditen und den US-Dollar steigen. Politische Blockaden, die neue Ausgaben begrenzen, können dagegen beide belasten. Politische Spannungen, etwa festgefahrene Verhandlungen über die Finanzierung des Staatshaushalts oder die Schuldenobergrenze, können den Dollar als sicheren Hafen ebenfalls kurzzeitig stärken. Über einen Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten sind das Wirtschaftswachstum und die Geldpolitik der Federal Reserve wichtiger als die Wahl.
Historisch haben sich US-Aktien vor den Zwischenwahlen schwach und danach stark entwickelt. Seit 1950 stand der S&P 500 zwölf Monate nach jeder Zwischenwahl höher, also in 19 von 19 Fällen, bei einem durchschnittlichen Plus von etwa 15 %. Analysten führen dieses Muster darauf zurück, dass die Unsicherheit nach Bekanntgabe der Ergebnisse nachlässt. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist keine Garantie für künftige Erträge, und einige Strategen weisen darauf hin, dass die hohen Bewertungen im Jahr 2026 diese Serie auf die Probe stellen könnten.
Die Märkte haben geteilte Machtverhältnisse zwischen Regierung und Kongress häufig begrüßt, weil politische Blockaden weitreichende Änderungen bei Steuern, Staatsausgaben und Regulierung unwahrscheinlicher machen. Unter einem republikanischen Präsidenten hat sich der S&P 500 historisch in den Jahren nach Zwischenwahlen gut entwickelt, wenn diese zu unterschiedlichen Parteimehrheiten in den beiden Kongresskammern führten. Risiken bestehen durch Fristen für die Verabschiedung der Haushaltsfinanzierung, Streitigkeiten über die Schuldenobergrenze und Untersuchungen des Kongresses, die kurzfristig für zusätzliche Volatilität sorgen können.