Gold erobert 4.000 US-Dollar zurück, da Erdrutschsieg bei US-Zwischenwahlen den USD belastet, Ölpreis bricht ein

  • Gold steigt nach einer Erholung vom Tagestief bei 3.919 US-Dollar über 4.000 US-Dollar.
  • Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sinkt um sechs Basispunkte auf 4,904 %.
  • Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung im Dezember bleibt vor den NFP-Daten mit 79 % hoch.

Gold (XAU/USD) legte am Mittwoch um knapp 3 % zu, da der US-Dollar nach dem umfassenden Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen einbrach. Die Märkte richten ihren Blick nun auf die Veröffentlichung der US-Beschäftigungsdaten außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) für Oktober am Freitag. XAU/USD notiert bei 4.047 US-Dollar, nachdem sich der Kurs vom Tagestief bei 3.919 US-Dollar erholt hat.

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XAU/USD steigt um fast 3 %: Schwacher US-Dollar und sinkende US-Staatsanleiherenditen treiben die Erholung von Gold an

Die Wall Street notiert im Plus und macht damit einen Teil ihrer vorherigen Verluste wett. Befürchtungen über eine strengere Regulierung künstlicher Intelligenz (KI), einschließlich eines möglichen Verbots von Rechenzentren, könnten die Wirtschaft belasten. Zugleich erreichte das US-BIP-Wachstum im dritten Quartal laut vorläufiger Schätzung die Schwelle von 3 %.

Die Abwertung des US-Dollars (USD) steigerte die Nachfrage nach Gold, das sich nach seinem Jahrestief vom 30. Oktober bei 3.870 US-Dollar erholt hat.

Analysten zufolge könnte sich ein von den Demokraten dominierter Kongress negativ auf das BIP auswirken, da einige Vorhaben der Regierung blockiert werden könnten. Dies könnte zu einer Konjunkturabkühlung führen.

US-Daten zeigten, dass die Geschäftsaktivität im Dienstleistungssektor weiter zunahm, wenn auch langsamer. Der ISM-Einkaufsmanagerindex (PMI) für den Dienstleistungssektor fiel im Oktober mit 54,5 schwächer als erwartet aus. Er lag damit unter dem Vormonatswert von 54,9 und der Prognose von 54,8. Innerhalb der Umfrage stieg die Beschäftigungskomponente, während die Teilindizes für Auftragseingänge und gezahlte Preise nachgaben, aber im expansiven Bereich blieben.

Der ADP-Beschäftigungsbericht für Oktober zeigte einen stabilen Stellenaufbau in der Privatwirtschaft: Die Unternehmen schufen 86.000 Arbeitsplätze — mehr als die erwarteten 69.000.

Die Ölpreise gaben nach der Wahl leicht nach, da die Erwartungen zunahmen, der US-Kongress könnte US-Präsident Trump seine Kriegsbefugnisse entziehen. Dies dürfte jedoch erst geschehen, wenn die Demokraten im Zuge ihres Wahlerfolgs im Januar 2027 die Kontrolle übernehmen. West Texas Intermediate (WTI) verliert mehr als 8 % und notiert bei 87,50 US-Dollar je Barrel.

Unterdessen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen im Dezember um 25 Basispunkte anhebt, bei 79 %. Dies belastet Gold, das sich in einem Niedrigzinsumfeld üblicherweise gut entwickelt.

Der Rückgang der US-Staatsanleiherenditen stützt jedoch den Goldpreisanstieg. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sinkt um 6 Basispunkte auf 4,904 %.

Die Händler richten ihren Blick auf die Veröffentlichung der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und die Reden von Fed-Vertretern am Donnerstag. Am Freitag folgt mit der Veröffentlichung der Nonfarm Payrolls der Höhepunkt.

Technischer Ausblick für XAU/USD: Gold erobert 4.000 US-Dollar zurück, 4.100 US-Dollar im Blick

Die Marktstruktur signalisiert weiterhin einen Abwärtstrend bei Gold. Die Käufer gewinnen jedoch an Dynamik, während sich der Kurs einer wichtigen Widerstandstrendlinie nähert. Der Relative-Stärke-Index (RSI) steht nach einem parabolischen Anstieg in Richtung seiner neutralen 50er-Marke kurz davor, in den bullischen Bereich zu drehen.

Sollte XAU/USD die Marke von 4.100 US-Dollar zurückerobern, wäre der Weg für einen Test der Widerstandszone frei, in der die einfachen gleitenden Durchschnitte (SMAs) der letzten 100 und 50 Tage bei 4.204 beziehungsweise 4.215 US-Dollar zusammenlaufen. Wird diese Zone überwunden, liegt das nächste Ziel beim 200-Tage-SMA bei 4.474 US-Dollar.

Für eine Fortsetzung des Abwärtstrends muss Gold unter 4.000 US-Dollar fallen. Ein Bruch dieser Marke würde das Hoch vom 3. November bei 3.971 US-Dollar in den Fokus rücken, das nun als Unterstützung dient. Danach folgen das Jahrestief vom 30. Oktober bei 3.879 US-Dollar und schließlich das Tageshoch vom 22. April 2025 bei 3.500 US-Dollar, das ebenfalls zur Unterstützung geworden ist.

Gold-Tageschart

Häufig gestellte Fragen zu Gold

Gold hat in der Geschichte der Menschheit eine Schlüsselrolle gespielt, da es weithin als Wertaufbewahrungsmittel und Tauschmittel genutzt wurde. Heute wird das Edelmetall neben seinem Glanz und seiner Verwendung für Schmuck vor allem als sicherer Hafen angesehen, also als eine gute Anlage in turbulenten Zeiten. Gold gilt zudem weithin als Absicherung gegen Inflation und Währungsabwertungen, da es von keinem bestimmten Emittenten und keiner Regierung abhängig ist.

Zentralbanken sind die größten Goldhalter. Um ihre Währungen in turbulenten Zeiten zu stützen, diversifizieren Zentralbanken in der Regel ihre Reserven und kaufen Gold, um das Vertrauen in die Stärke der Wirtschaft und der Währung zu fördern. Hohe Goldreserven können das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit eines Landes stärken. Nach Angaben des World Gold Council stockten Zentralbanken ihre Reserven im Jahr 2022 um 1.136 Tonnen Gold im Wert von rund 70 Milliarden US-Dollar auf. Dies ist der höchste jährliche Zukauf seit Beginn der Aufzeichnungen. Zentralbanken aus Schwellenländern wie China, Indien und der Türkei erhöhen ihre Goldreserven zügig.

Gold weist eine negative Korrelation zum US-Dollar und zu US-Staatsanleihen auf, die beide wichtige Reserveanlagen und sichere Häfen sind. Wertet der Dollar ab, steigt Gold tendenziell. Dies ermöglicht es Anlegern und Zentralbanken, ihre Vermögenswerte in turbulenten Zeiten zu diversifizieren. Gold ist auch mit risikobehafteten Anlagen negativ korreliert. Eine Rally am Aktienmarkt schwächt den Goldpreis tendenziell, während Verkaufswellen an risikoreicheren Märkten das Edelmetall in der Regel begünstigen.

Der Preis kann sich aufgrund zahlreicher Faktoren bewegen. Geopolitische Instabilität oder Ängste vor einer schweren Rezession können den Goldpreis aufgrund seines Status als sicherer Hafen rasch in die Höhe treiben. Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, steigt sein Preis tendenziell bei niedrigeren Zinsen, während höhere Finanzierungskosten das gelbe Metall üblicherweise belasten. Dennoch hängen die meisten Kursbewegungen von der Entwicklung des US-Dollars (USD) ab, da Gold in Dollar gehandelt wird (XAU/USD). Ein starker Dollar begrenzt tendenziell den Goldpreisanstieg, während ein schwächerer Dollar die Goldpreise eher nach oben treibt.