Beschäftigungszuwachs außerhalb der Landwirtschaft in den USA dürfte sich im Oktober beschleunigen

  • Für Oktober wird in den USA ein Beschäftigungszuwachs außerhalb der Landwirtschaft um 65.000 Stellen erwartet, nach einem enttäuschenden Anstieg um 29.000 im September.
  • Die Arbeitslosenquote dürfte unverändert bei 4,2 % bleiben.
  • Die Arbeitsmarktdaten könnten die Bewertung des US-Dollars beeinflussen, obwohl die Märkte überwiegend mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte im Dezember rechnen.

Das US-amerikanische Bureau of Labor Statistics (BLS) veröffentlicht am Freitag um 13:30 Uhr GMT die Daten zur Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls, NFP) für Oktober. Der Bericht dürfte einen Zuwachs um 65.000 Stellen ausweisen, nach 29.000 im Vormonat. 

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Obwohl die Marktteilnehmer überwiegend erwarten, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den Leitzins im Dezember um 25 Basispunkte anhebt, könnten die Details des Arbeitsmarktberichts ihre Einschätzung der geldpolitischen Aussichten für Anfang 2027 beeinflussen und die Bewertung des US-Dollars (USD) bewegen.

Was ist vom Bericht zu den Nonfarm Payrolls zu erwarten?

Anleger erwarten für Oktober einen Anstieg der NFP um 65.000 Stellen, nach dem enttäuschenden Zuwachs um 29.000 im September. Die Arbeitslosenquote dürfte unverändert bei 4,2 % bleiben, während sich der monatliche Lohnanstieg, gemessen an der Veränderung der durchschnittlichen Stundenlöhne (Average Hourly Earnings, AHE), von 0,1 % auf 0,3 % beschleunigen dürfte.

Die Fed beließ den Leitzins auf ihrer Oktobersitzung erwartungsgemäß unverändert in der Spanne von 3,75 % bis 4 %. Auf der anschließenden Pressekonferenz bezeichnete Fed-Chef Kevin Warsh die Lage am Arbeitsmarkt als „positiv“ und ergänzte, dass sich die Diskussion unter den Währungshütern hauptsächlich auf das Mandat zur Preisstabilität konzentriere. Eine merkliche Veränderung der Markterwartungen für die Zinsentscheidung der Fed im kommenden Monat ist daher unwahrscheinlich, sofern die Arbeitsmarktdaten nicht deutlich negativ überraschen.

Laut TD Securities dürfte die kräftige Rally des US-Dollars seit September zum Jahresende in eine Konsolidierungsphase übergehen. Die Bank bekräftigt: „Nach der kräftigen Rally seit September gehen wir in unserem Basisszenario weiterhin davon aus, dass der USD zum Jahresende durch moderate Verkäufe etwas nachgibt, ähnlich wie nach den US-Zwischenwahlen 2018.“ Die Strategen halten die anstehenden Arbeitsmarktdaten für potenziell entscheidend und merken an, dass „ein Beschäftigungszuwachs unterhalb der Konsensprognose einen zusätzlichen Impuls für eine Korrektur des USD liefern könnte“. In diesem Zusammenhang erwarten sie, „dass der NFP-Zuwachs im Oktober mit 40.000 Stellen verhalten bleibt, nachdem sich der Stellenaufbau im September auf 29.000 abgeschwächt hatte“. Dies untermauert die Einschätzung, dass schwächere US-Daten dazu beitragen würden, den Rücksetzer des Dollars nach der Wahl zu verlängern.  

Wirtschaftsindikator

Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft

Die Veröffentlichung der Nonfarm Payrolls zeigt die Zahl der im Vormonat neu geschaffenen Stellen in allen nichtlandwirtschaftlichen Unternehmen der USA. Die Daten werden vom US-amerikanischen Bureau of Labor Statistics (BLS) veröffentlicht. Die monatlichen Veränderungen der Beschäftigtenzahl können äußerst volatil sein. Zudem unterliegen die Zahlen teils erheblichen Revisionen, die ebenfalls Volatilität am Devisenmarkt auslösen können. Grundsätzlich gilt ein hoher Wert als bullisch für den US-Dollar (USD), ein niedriger Wert hingegen als bärisch. Allerdings sind die Revisionen der Vormonatswerte und die Arbeitslosenquote ebenso relevant wie die Gesamtzahl. Die Marktreaktion hängt daher davon ab, wie der Markt sämtliche im BLS-Bericht enthaltenen Daten insgesamt bewertet.

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Nächste Veröffentlichung: Fr., 06. Nov. 2026, 13:30 Uhr

Häufigkeit: Monatlich

Konsensprognose: 65 Tsd.

Vorheriger Wert: 29 Tsd.

Quelle:US-Amt für Arbeitsmarktstatistik

Der monatliche US-Arbeitsmarktbericht gilt als wichtigster Konjunkturindikator für Devisenhändler. Die Veränderung der Beschäftigtenzahl wird am ersten Freitag nach dem Berichtsmonat veröffentlicht, steht in engem Zusammenhang mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und wird von politischen Entscheidungsträgern aufmerksam verfolgt. Vollbeschäftigung gehört zum Mandat der US-Notenbank Federal Reserve. Bei ihren geldpolitischen Entscheidungen berücksichtigt sie die Entwicklung am Arbeitsmarkt und beeinflusst damit die Währungen. Obwohl mehrere Frühindikatoren in die Schätzungen einfließen, überraschen die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) die Märkte häufig und lösen erhebliche Volatilität aus. Übertreffen die tatsächlichen Zahlen die Konsensprognose, wirkt sich dies tendenziell positiv auf den USD aus.

Wie werden sich die US-Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft für Oktober auf EUR/USD auswirken?

Der US-Dollar geriet zur Wochenmitte unter starken Verkaufsdruck, nachdem die Demokraten bei den Zwischenwahlen sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus die Mehrheit errungen und damit für die letzten beiden Jahre der Präsidentschaft von Donald Trump die Kontrolle über den US-Kongress übernommen hatten. Der nach dem Wahlergebnis wachsende Optimismus hinsichtlich einer Deeskalation des Konflikts im Nahen Osten löste auch einen starken Ausverkauf bei Rohöl aus und dämpfte die Sorgen über eine anhaltend hohe Inflation. 

Die Analysten von ING vertreten die Ansicht, dass der Spielraum für eine stärkere Korrektur des US-Dollars kurzfristig begrenzt bleibt. Als wesentliche Stützen nennen sie „eine weiterhin widerstandsfähige US-Wirtschaft und mindestens eine weitere Zinserhöhung durch die Federal Reserve“. Zugleich weisen sie jedoch darauf hin, dass sich das Risikoverhältnis mittelfristig verschieben könnte, und warnen: „Der Dollar könnte im Verlauf des Jahres 2027 allerdings etwas stärker nachgeben, falls eine selbstbewusstere Demokratische Partei die Politik der Republikaner, einschließlich der Deregulierung und des Ausbaus der KI-Infrastruktur, stärker infrage stellt.“ 

Ein enttäuschender NFP-Wert von 30.000 oder weniger könnte den Ausverkauf des USD vor dem Wochenende verstärken. Ein solches Ergebnis könnte die Märkte dazu veranlassen, eine Zinserhöhung der Fed im Januar auszuschließen, deren Wahrscheinlichkeit laut dem CME FedWatch Tool derzeit bei rund 20 % liegt. In diesem Szenario könnte EUR/USD seine Wochengewinne ausbauen.

Source: CME Group
Quelle: CME Group

Umgekehrt könnte eine deutlich positive Überraschung mit einem NFP-Wert von über 80.000 den USD in einer ersten Reaktion stützen und bei EUR/USD eine Abwärtskorrektur auslösen. Allerdings könnten Anleger vor den wichtigen US-Inflationsdaten in der kommenden Woche auf größere Positionen verzichten, sodass die Beschäftigungsdaten möglicherweise keine anhaltend positive Wirkung auf den USD entfalten.

Eren Sengezer, leitender Analyst für die europäische Handelssitzung bei FXStreet, gibt einen kurzen technischen Ausblick für EUR/USD: 

„Der kurzfristige technische Ausblick deutet darauf hin, dass EUR/USD Schwierigkeiten hat, eine bullische Trendwende zu vollziehen. Das Währungspaar hält sich über dem einfachen gleitenden 20-Tage-Durchschnitt (SMA), doch der Relative-Stärke-Index (RSI) im Tageschart liegt weiterhin knapp unter 50.“

„Auf der Oberseite liegt der erste Widerstand bei 1,1350 (statisches Niveau, einfacher gleitender 50-Tage-Durchschnitt (SMA), ehemalige Unterstützung), gefolgt von 1,1420 (100-Tage-SMA). Ein Tagesschlusskurs über letzterer Marke könnte technisch orientierte Käufer anziehen und den Weg für eine Ausweitung der Aufwärtsbewegung in Richtung 1,1540 (200-Tage-SMA) ebnen.“

„Auf der Unterseite liegt die erste mögliche Unterstützung bei 1,1130 (unteres Bollinger-Band), gefolgt von 1,1000 (statisches Niveau, runde Marke).“

EUR/USD daily chart
EUR/USD-Tageschart

Häufig gestellte Fragen zu den Nonfarm Payrolls

Die Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls, NFP) sind Teil des monatlichen Arbeitsmarktberichts des US Bureau of Labor Statistics. Die NFP-Komponente misst die Veränderung der Zahl der Beschäftigten in den USA im Vormonat, wobei der Agrarsektor ausgenommen ist.

Die NFP-Zahl kann die Entscheidungen der Federal Reserve beeinflussen, da sie einen Anhaltspunkt dafür liefert, wie erfolgreich die Fed ihr Mandat erfüllt, Vollbeschäftigung und eine Inflation von 2 % zu fördern. Ein relativ hoher NFP-Wert bedeutet, dass mehr Menschen beschäftigt sind, mehr Geld verdienen und daher wahrscheinlich auch mehr ausgeben. Ein relativ niedriger Wert könnte dagegen darauf hindeuten, dass die Menschen Schwierigkeiten haben, Arbeit zu finden. Die Fed erhöht üblicherweise die Zinsen, um eine durch niedrige Arbeitslosigkeit ausgelöste hohe Inflation zu bekämpfen, und senkt sie, um einen stagnierenden Arbeitsmarkt zu beleben.

Die Nonfarm Payrolls weisen im Allgemeinen eine positive Korrelation mit dem US-Dollar auf. Das bedeutet: Fallen die Beschäftigtenzahlen höher aus als erwartet, legt der USD tendenziell zu. Liegen sie unter den Erwartungen, gilt das Gegenteil. Die NFP beeinflussen den US-Dollar über ihre Auswirkungen auf die Inflation, die geldpolitischen Erwartungen und die Zinsen. Ein höherer NFP-Wert bedeutet in der Regel, dass die Federal Reserve eine restriktivere Geldpolitik verfolgen wird, was den USD stützt.

Die Nonfarm Payrolls weisen im Allgemeinen eine negative Korrelation mit dem Goldpreis auf. Das bedeutet, dass höher als erwartet ausfallende Beschäftigtenzahlen den Goldpreis belasten und umgekehrt. Ein höherer NFP-Wert wirkt sich in der Regel positiv auf den Wert des USD aus. Wie die meisten wichtigen Rohstoffe wird Gold in US-Dollar notiert. Gewinnt der USD an Wert, werden daher weniger Dollar benötigt, um eine Unze Gold zu kaufen. Zudem verringern höhere Zinsen, die typischerweise durch höhere NFP-Werte begünstigt werden, die Attraktivität von Gold als Anlage gegenüber dem Halten liquider Mittel, die zumindest Zinserträge abwerfen.

Die Nonfarm Payrolls sind nur eine Komponente eines umfassenderen Arbeitsmarktberichts und können von dessen anderen Komponenten in den Hintergrund gedrängt werden. Wenn die NFP höher als prognostiziert ausfallen, die durchschnittlichen Wochenverdienste jedoch unter den Erwartungen liegen, hat der Markt mitunter den potenziell inflationären Effekt der zentralen Beschäftigtenzahl ignoriert und den Rückgang der Verdienste als deflationär interpretiert. Auch die Erwerbsquote und die durchschnittliche Wochenarbeitszeit können die Marktreaktion beeinflussen, allerdings nur bei seltenen Ereignissen wie der „Great Resignation“, der großen Kündigungswelle, oder der globalen Finanzkrise.